Reader Dominanzabbau

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Unter Dominanz wird hier verstanden jemand anderen zu dominieren, also über ihm zu stehen, z.B. mit mehr Privilegien, wie beispielsweise das erhalten wichtiger Informationen vor anderen. Dies kann man mit Hierarchien gleichsetzen.

Denn in ihnen wird per Status die Wichtigkeit einer Person scheinbar definiert, und ihre Wertschätzung (z.B. erhält ein ausgelernter Geselle in der Regel mehr interne und auch fachliche Informationen als ein Auszubildender, meist unabhängig von der Motivation des einzelnen).

Da hierarchisches Verhalten Frustration, Selbstzerstörung und viele andere unangenehme Folgen für die Nichtprivilegierten haben kann, da es vorkommt, dass Menschen z.B. im Arbeitsleben aufgrund ihres niederen Status diskriminiert, ausgestossen und verunglimpft werden, ohne irgendwem etwas getan zu haben.

Da es Menschen gibt, welche dies als unfair empfinden, gibt es Ansätze, hierarchisches oder hierarchieförderndes Verhalten bei sich selbst zu erkennen und daran zu arbeiten, Menschen nicht nach Äußerlichkeiten, Statussymbolen oder Lebensformen zu bewerten, sondern sich selbst zu fragen, z.B. wie mensch als FremdeR in einem neuen Land gern behandelt werden würde, oder wie man ein friedvolles Nachbarschaftsverhältnis unter Respektierung von Andersartigkeit anderer fördern könnte bzw. Gleichberechtigung fördert und schafft. Intervention in unfaire Situationen kann ein nächsten Schritt sein - die Prioritäten sind unterschiedlich.

Praxistipps Dominanzabbau

Hier noch ein paar Tipps zur Diskussion in Workshops, Aktionsvorbereitungen, Bezugs- und Mitmachgruppen, Interessen- und Blütentreffen... mehr über dieses Thema findet ihr im HierarchNIE-Reader.

  • Jemensch kann für die Moderation ausgesucht werden. Super wäre es aber, wenn alle es schaffen, zu moderieren, also dass alle...
    • darauf achten, dass nicht vom Thema abgeschweift wird
    • darauf achten, dass Dominantere stiller sind und Stillere mehr Zeit und Raum bekommen. Dazu gehört auch, Leuten, die ihre Gedanken nicht so schnell auf den Punkt bringen können, Zeit dafür zu geben und nicht mit pauschaler Redezeitbegrenzung unter Druck (der zum Teil alle Gedanken noch wirrer macht...) zu setzen
    • Methodenvorschläge machen (z.B. Runde, Kleingruppen, Brainstorming, Fishbowl)
    • die Diskussion strukturieren: erst Problem beschreiben, dann Lösungsideen sammeln, dann Bedenken formulieren, abwägen, was akzeptabel oder passend scheint, Ergebnis(se) herausstellen
    • visualisieren (z.B. auf Tafel, Papierbögen oder Karten mitschreiben)
    • daran denken, die Ergebnisse für alle an der Ergebniswand zu veröffentlichen, falls erwünscht.
  • Wenn die Beteiligten nicht alle die Moderation übernehmen wollen, sollten sie die Rolle derdes Moderators/in vereinbaren und klarstellen. Die Aufgabe der Moderation ist es nicht (!!!), Inhalte zu forcieren oder die Ergebnisse zu bestimmen! Dieder ModeratorIn sollte nicht so tun, als sei sie neutral, sondern es lieber versuchen. Sie kann an geeigneter Stelle auf den Diskussionsverlauf hinweisen und Methoden anbieten. Es gibt verschiedene Auffassungen, ob derdie ModeratorIn selbst mitdiskutieren soll/kann oder sich nur aufs Methodische konzentrieren soll/kann.
  • Blitzlicht: Kann gut sein, um Dominanzen zu entschärfen. Um ein Bild von den Meinungen und Stimmungen aller zu einem Thema zu bekommen, kriegt jedeR dieder will einmal die Möglichkeit, etwas zu sagen. Es spricht nur die Person, die gerade dran ist. Verständnisfragen/antworten sind erlaubt, aber keine Diskussion, keine Wertungen bis sich alle die wollen geäußert haben. Hilfreich ist, eine Fragestellung für die Runde zu formulieren und diese ganz deutlich z.B. an die Tafel zu schreiben. Macht vorher deutlich, dass keineR gezwungen ist, sich zu äußern und dass die Beiträge Anderer nicht kommentiert werden sollten.
  • Tagsordnungpunkte/Themen sammeln: Was soll auf diesem Treffen angesprochen werden? Wenn es viele Themen gibt: einschätzen wie viele Minuten Redebedarf jedes Thema hat. Wenn gar nicht alle an allen Punkten interessiert sind, können auch verschiedne Kleingruppen gebildet werden, die sich nach vereinbarter Zeit wiedertreffen und Ergebnisse in der Runde austauschen.
  • Sitzanordnung: Es hat Vorteile, in einem Kreis zu sitzen: JedeR sieht jedeN. Dadurch können alle mehr auf die Bedürfnisse der Mitdiskutierenden achten und das aufeinander Eingehen wird möglich.
  • Redeliste: Wie im Klassenzimmer: Wer etwas sagen möchte, meldet sich. EineR ist zuständig für Drannehmen, nach der Reihenfolge der Meldungen. Das kann aber variiert werden, wenn Anmerkungen kommen, die sich sehr direkt auf vorhergehende Beiträge beziehen. Bei geschlechtsspezifischer Dominanz kann nach jedem Beitrag von einem Mann erst mal eine Frau drangenommen werden (sobald eine Meldung von einer da ist). Wenn sich Leute gleichzeitig melden, sollten die, die noch gar nichts oder weniger gesagt haben, Vorrang haben.
  • Zeitsteine: Diese Methode sorgt für einen bewussteren Umgang mit Redezeiten und damit zusammenhängenden Dominanzen. Die Zeit wird zu gleichen Teilen unter allen Anwesenden aufgeteilt, was einen gemeinsam vereinbarten Zeitrahmen und eine eher feste TeilnehmerInnenzahl voraussetzt (ansonsten müsste umgerechnet werden, was vielleicht auch geht).

So wird’s gemacht: z.B. 6 Leute wollen eine Stunde über etwas reden. JedeR bekommt also 10 Steinchen, wovon jedes für 1 Minute Redezeit steht. Falls es mehr Leute werden, ist eine Verlängerung des Zeitrahmens oder eine Teilung der Gruppe sinnvoll, da es ab 5 Minuten pro Person ziemlich wenig Zeit für jedeN wird. Wenn nötig, kann ein Mensch gewählt werden um die Minuten zu stoppen. Während des Redens müssen die Leute daran denken ihren Zeitstein nach jeder Minute in die Mitte zu legen, dort liegt dann die „verflossene Zeit“. Die eigene Redezeit kann mensch verbrauchen oder verschenken, für den Fall, dass mensch einer anderen Person zuhören will, deren Redezeit schon verbraucht ist. Diese Methode ist noch nicht ganz ausgereift und hat auch Nachteile. Was ist z.B. mit Pausen, in dene keineR redet? Was mit unterschiedlichen Redegeschwindigkeiten? Aber vielleicht ist sie doch nützlich und eine Versuch wert. Mensch kann damit experimentieren, Erfahrungen sammeln und sie möglicherweise noch weiterentwickeln.

  • Bei großen Gruppen ist es grundsätzlich sinnvoll, sich in Kleingruppen von ca. 5 Personen aufzuteilen, die vorher transparent machen, ob sie ein Unterthema oder das gleiche Thema diskutieren wollen. Denkt daran, den Diskussionsverlauf mitzuschreiben und Ergebnisse der einzelnen Runden später zusammenzutragen.
  • Redegegenstand: Es gibt einen Gegenstand (sehr gut einer, den mensch werfen kann, z.b. Jonglierball) der herumgereicht wird. Nur, wer den Gegenstand hat, spricht. Will gerade keineR sprechen, kommt der Gegenstand in die Mitte. Achtet auf Dominanzstrukturen und sprecht sie an, wenn ihr sie entdeckt!
  • Fishbowl: Hierbei sitzen 5-10 Leute in der Mitte, z.B. um einen Tisch, alle anderen sind im Raum verteilt. Es diskutieren nur die Menschen in der Mitte (manchmal auch mit einem Mikrofon, falls nötig). Sie müssen nicht vorher gewählt werden. Wenn jemensch aus dem Außenkreis etwas sagen will, stellt ersie sich hinter eineN der RednerInnen. DieseR kann noch zu Ende sprechen, wenn ersie gerade spricht und muss dann den Kreis verlassen. Leute, die zu oft und dominant reden, können so schnell abgelöst werden. Die Hemmschwelle ist bei den meistn nicht so groß wie bei Diskussionen in großen Gruppen.
  • Feedbackrunde: Um die nächsten Workshops oder Treffen besser zu machen, ist eine Feedbackrunde am Ende sinnvoll. JedeR kann sagen, was ersie gut fand und was nicht. Es ist oft sinnvoll, dies auf anonymen Kärtchen aufzuschreiben, besonders wenn viel doof gelaufen ist, sind die Ergebnisse vielleicht ehrlicher...


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